Der Stadtpirat und der „Gender“-Haken

„Klarmachen zum Gendern“. Der Kampfschrei erschallt nun seit einer Woche durch die gesamte Piratenpartei.

Somit fühle auch ich mich genötigt, meiner Tastatur und somit euch, werte Leser, anzuvertrauen, was sich zu diesem Thema in den Tiefen meiner grauen Hirnwindungen zusammenbraut.

Alles beginnt also vergangenes Wochenende auf der Landesmitgliederversammlung in Berlin. Aber die Details sind eigentlich nebensächlich. Was will ich eigentlich loswerden? Richtig, meine Meinung zu der ganzen Angelegenheit.

Welche Fragen stellen sich mir bei der ganzen Angelegenheit?

  1. Haben wir in der Piratenpartei eine Genderdiskussion nötig?
    • Ich für meinen Teil halte mich selbst für emanzipiert in einem Maße, das es mir erlaubt, auf diese Diskussion verzichten zu können. Jeder von uns ist als Individuum unverwechselbar und einzigartig in der Summe seiner Eigenschaften. Wer sich in Statistik und Marktforschung etwas auskennt, weiß, dass Zielgruppenanalysen darin bestehen, für eine möglichst große Gruppe von Individuen eine maximale Anzahl von Eigenschaftsüberschneidungen zu ermitteln. Man könnte also hieraus schließen, dass viele Männer viele gemeinsame Eigenschaften aufweisen. So natürlich auch die Frauen. Aber: Ist dem so? Zumeist kommen bei der Beantwortung dieser Fragen nichts als billige Phrasen und Klischees auf dem subterranen Niveau eines Mario Barth heraus. Also versuche ich es, möglichst kurz zu halten. Unabhängig von Geschlecht oder anderen mehr oder weniger kleinen Unterschieden, sollten wir uns vor Augen führen, dass wir alle gleichwertig aber eben doch nicht gleich sind. Unsere Verschiedenartigkeit sollte doch aber auch unsere Stärke sein. Gleichschalten wollen andere.
  2. Haben wir schon eine Genderdiskussion?
    • Spätestens seit Lenas Alleingang mit taz und SpOn haben wir sie. Auch wenn wir vielleicht gern so weit gewesen wären (und ich halte es nicht für eine Schutzbehauptung, dass viele von uns der Meinung waren, wir seien wirklich post-gender), ist wohl dieses Engagement für diese Diskussion ein, oder DAS Argument für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema.
  3. Brauchen wir Schutzräume für Frauen?
    • Wenn wir Schutzräume für Frauen einrichten, sollten wir auch, denn Frauen sind nicht die einzige und auch nicht die schlechtestrepräsentierte Minderheit in der Piratenpartei, ähnliche Initiativen für andere Gruppen zulassen und fördern (Danke curl_up). Da wir hierüber aber bisher keine statistischen Erhebungen durchgeführt haben, will ich zu diesem Thema keine weiteren Vermutungen anstellen.

Alles in Allem stehe ich dem Schutzraum ziemlich aufgeschlossen bis indifferent gegenüber. Wenn Frauen der Meinung sind, ohne dieses Refugium keine Stimme in der Piratenpartei zu haben, dann könnte dies ein Weg sein. Anderen Minderheitengruppen; ob statistisch nachweisbar oder nur gefühlt, steht der selbe Weg natürlich offen.

Ich bitte nur, in Zukunft davon Abstand zu nehmen, die Geburt einer solchen Initiative zeitlich derart unglücklich zu terminieren, wie es bei Lena Simon der Fall war. Auch sollte nicht unbedingt eine reißerische Pressemitteilung einer innerparteilichen Debatte vorausgehen. Das erschwert die Konsenfindung nur umso mehr. Lena hat es jedenfalls geschafft, nicht nur die Maskulinistenfraktion gegen sich aufzubringen, sondern auch viele Piraten, die dem Thema eigentlich positiv gegenüberstanden. So hätte Lena als Berliner Pirat“in“ eigentlich über die Wichtigkeit der LMV wissen müssen, in deren Verlauf vom Landesverband als erster politischer Organisation weltweit, das Prinzip Liquid Democracy in die Satzung als Meinungsbildungswerkzeug aufgenommen wurde. Viele, und dazu gehöre auch ich, hätten es einfach lieber gesehen, Lena hätte über eines der parteiinternen Tools (Wiki, ML, Forum, Liquid Feedback) Kontakt zu den Piraten selbst aufgenommen um die Diskussion anzuregen. Fail #2 war eben auch der Zeitpunkt. Es hätte sicherlich anders ausgesehen, hätte Lena eine Woche gewartet, mit dem Projekt „Piratinnen“ an die Presse zu gehen.

Ist leider nicht passiert. Ich biete Lena auch hier noch einmal an, sich zumindest in Berlin auch einem Forum von Piraten und Piratinnen zu stellen, in dem mensch (ich hasse die politisch korrekten Ausdrücke) sich mit dem Thema dezidiert auseinandersetzen kann.

Soweit zu meinem ersten Blogpost. Ich bin gespannt, ob es Feuer regnet oder Beifall oder mein Blog im Nebel des Vergessens verschwindet.

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7 Antworten to “Der Stadtpirat und der „Gender“-Haken”

  1. curl_up Says:

    “…oder mein Blog im Nebel des Vergessens verschwindet.“
    Bestimmt!

    Nein scherz!

    Sehr diplomatiche Beitrag aber schön in der Gesamtheit

    lg
    curl_up

  2. AutoPilot Says:

    „Ihr habt es so gewollt“

    Geila Tüp

  3. De ja vue: Da war mal ne Diskussion mich aus dem Kommunistischen Bund auszugschließen, weil ich nicht Feministin bin. Nach der Gründung der Grünen gab es „Weiberfeminate“ und ähnliches. Dann die Quoten Mann-Weib/Ost -West/links-rechts/ etc. Das war revolutionär – und ist doch überholt. Ich verstehe unsere Piraen Partei so, daß alle gleichberechtigt sich einbringen können. Unsere Gesellschaft hat sich – auch Dank der Grünen – verändert. Frauen und Männer auf einer Ebene. Und wenn einer zu sehr nen Chauvi raushängen läßt – kriegt er eh ne Quittung. Es gibt übrigens Frauen in der Politik, die qua Gender, Quote etc. alle anderen fast widerspruchslos platt machen. Und zwar Menschen egal ob so oder so. Das wollen wir nicht! Oder?

    • Eben, das wollen wir nicht. Ich finde auch, dass die Quoten, die die Grünen in ihrer Satzung eingeführt haben, in ihrer Zeit durchaus ihre Berechtigung hatten. Was sich allerdings daraus entwickelt hat, ist aus meiner Sicht nur noch lächerlich. Da gibt es abwechselndes Rederecht für Männer und Frauen, wobei kein Mann mehr sprechen darf, wenn keine Frau sich mehr meldet, die danach noch sprechen will, Verquotung aller Ebenen usw.
      Ich weiß auch, dass die „Piratinnen“ keine Quoten in der Partei fordern. Allerdings sollten wir uns nicht zu sehr freuen, weil eben keine 2 Schritte rückwärts gefordert werden. Die Frauen in der Partei werden sicherlich manchmal ziemlich harten Aussagen ausgesetzt, alle anderen aber auch. Auf den Mailinglisten weht oft ein sehr harter Wind, der schreckt aber eben nicht nur Frauen ab. Sollten wir uns dann nicht lieber Gedanken machen, unsere Diskussionskultur auf ein höheres Niveau zu heben? Du wirst mir da sicher zustimmen.
      Wir sind die politische Bewegung unserer Generation. Wir sollten uns auch so verhalten.

  4. Ich kann diesen Gender-Kram nicht mehr hören. Spätestens seit Emmas geschichtsklitternder Kampagne gegen ein würdiges Gedenken an die wegen ihrer Homosexualität verfolgten Männer. Man lese dazu bitte:

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=11517

    und

    http://www.l-talk.de/politiken/opfer-wettbewerb-ums-homo-mahnmal-nachste-runde.html

    BTW: Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Der Wettbewerb um das nächste Denkmal-Video läuft noch.

  5. Auch wenn ich schon einen Kommentar hinterließ, muß ich ja nun in Anbetracht der Tatsache, daß ich jetzt auch einen Blog habe, einen zweiten Kommentar hinterlassen. Ich werde wohl, so es denn meine Zeit zulässt, zum Frauentag auch einen Beitrag zu den Piratinnen verfassen.

    Herzlichst Ihr

    FAST TO SEVENTYSEVEN

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