“Klarmachen zum Gendern”. Der Kampfschrei erschallt nun seit einer Woche durch die gesamte Piratenpartei.
Somit fühle auch ich mich genötigt, meiner Tastatur und somit euch, werte Leser, anzuvertrauen, was sich zu diesem Thema in den Tiefen meiner grauen Hirnwindungen zusammenbraut.
Alles beginnt also vergangenes Wochenende auf der Landesmitgliederversammlung in Berlin. Aber die Details sind eigentlich nebensächlich. Was will ich eigentlich loswerden? Richtig, meine Meinung zu der ganzen Angelegenheit.
Welche Fragen stellen sich mir bei der ganzen Angelegenheit?
- Haben wir in der Piratenpartei eine Genderdiskussion nötig?
- Ich für meinen Teil halte mich selbst für emanzipiert in einem Maße, das es mir erlaubt, auf diese Diskussion verzichten zu können. Jeder von uns ist als Individuum unverwechselbar und einzigartig in der Summe seiner Eigenschaften. Wer sich in Statistik und Marktforschung etwas auskennt, weiß, dass Zielgruppenanalysen darin bestehen, für eine möglichst große Gruppe von Individuen eine maximale Anzahl von Eigenschaftsüberschneidungen zu ermitteln. Man könnte also hieraus schließen, dass viele Männer viele gemeinsame Eigenschaften aufweisen. So natürlich auch die Frauen. Aber: Ist dem so? Zumeist kommen bei der Beantwortung dieser Fragen nichts als billige Phrasen und Klischees auf dem subterranen Niveau eines Mario Barth heraus. Also versuche ich es, möglichst kurz zu halten. Unabhängig von Geschlecht oder anderen mehr oder weniger kleinen Unterschieden, sollten wir uns vor Augen führen, dass wir alle gleichwertig aber eben doch nicht gleich sind. Unsere Verschiedenartigkeit sollte doch aber auch unsere Stärke sein. Gleichschalten wollen andere.
- Haben wir schon eine Genderdiskussion?
- Spätestens seit Lenas Alleingang mit taz und SpOn haben wir sie. Auch wenn wir vielleicht gern so weit gewesen wären (und ich halte es nicht für eine Schutzbehauptung, dass viele von uns der Meinung waren, wir seien wirklich post-gender), ist wohl dieses Engagement für diese Diskussion ein, oder DAS Argument für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema.
- Brauchen wir Schutzräume für Frauen?
- Wenn wir Schutzräume für Frauen einrichten, sollten wir auch, denn Frauen sind nicht die einzige und auch nicht die schlechtestrepräsentierte Minderheit in der Piratenpartei, ähnliche Initiativen für andere Gruppen zulassen und fördern (Danke curl_up). Da wir hierüber aber bisher keine statistischen Erhebungen durchgeführt haben, will ich zu diesem Thema keine weiteren Vermutungen anstellen.
Alles in Allem stehe ich dem Schutzraum ziemlich aufgeschlossen bis indifferent gegenüber. Wenn Frauen der Meinung sind, ohne dieses Refugium keine Stimme in der Piratenpartei zu haben, dann könnte dies ein Weg sein. Anderen Minderheitengruppen; ob statistisch nachweisbar oder nur gefühlt, steht der selbe Weg natürlich offen.
Ich bitte nur, in Zukunft davon Abstand zu nehmen, die Geburt einer solchen Initiative zeitlich derart unglücklich zu terminieren, wie es bei Lena Simon der Fall war. Auch sollte nicht unbedingt eine reißerische Pressemitteilung einer innerparteilichen Debatte vorausgehen. Das erschwert die Konsenfindung nur umso mehr. Lena hat es jedenfalls geschafft, nicht nur die Maskulinistenfraktion gegen sich aufzubringen, sondern auch viele Piraten, die dem Thema eigentlich positiv gegenüberstanden. So hätte Lena als Berliner Pirat”in” eigentlich über die Wichtigkeit der LMV wissen müssen, in deren Verlauf vom Landesverband als erster politischer Organisation weltweit, das Prinzip Liquid Democracy in die Satzung als Meinungsbildungswerkzeug aufgenommen wurde. Viele, und dazu gehöre auch ich, hätten es einfach lieber gesehen, Lena hätte über eines der parteiinternen Tools (Wiki, ML, Forum, Liquid Feedback) Kontakt zu den Piraten selbst aufgenommen um die Diskussion anzuregen. Fail #2 war eben auch der Zeitpunkt. Es hätte sicherlich anders ausgesehen, hätte Lena eine Woche gewartet, mit dem Projekt “Piratinnen” an die Presse zu gehen.
Ist leider nicht passiert. Ich biete Lena auch hier noch einmal an, sich zumindest in Berlin auch einem Forum von Piraten und Piratinnen zu stellen, in dem mensch (ich hasse die politisch korrekten Ausdrücke) sich mit dem Thema dezidiert auseinandersetzen kann.
Soweit zu meinem ersten Blogpost. Ich bin gespannt, ob es Feuer regnet oder Beifall oder mein Blog im Nebel des Vergessens verschwindet.

